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Fazit 2011

In einer Dokumentation über Hollywood und seine Regisseure sagt ein Filmemacher sinngemäß, das Drehen und die Postproduktion wären für ihn meistens die reine Hölle; nicht zu Drehen sei dagegen allerdings einfach nur erbärmlich. Eine gute Zustandsbeschreibung für jene Leere, die auf jede Abnahme, also jedes Loslassen eines Filmes an dem man monate- wenn nicht jahrelang gearbeitet hat, erstmal zwangsläufig folgen muß. Die lange intensive filmische Beschäftigung mit so extrem unterschiedlichen Biographien wie mit jener des Schurken „Kongo Müller“ und andererseits mit dem Leben von Wolfgang Hilbig, einem „schwierigen“ wie hochpoetischen, verletzlichen wie verletzenden Menschen, bedeutet Verschleiß. Hinter jedem dieser Themen standen jedoch Menschen. Protagonisten, die ein Stück ihres Lebens dem Filmemacher und dessen „Projekt“ gewidmet haben, in dem sie Auskunft gaben; sich vor laufender Kamera erinnerten, reflektierten, in sich gegangen sind. Ihnen sei Dank. Die Begegnung und die Arbeit mit diesen Menschen ist eine unermeßliche Bereicherung für uns Dokumentarfilmer. An sie zu denken, füllt die Leere nach dem Sendetermin. Merci, merci beaucoup. Kritik von Eberhard Reuß auf SWR2 zu „Hilbig. Eine Erinnerung“ Reuß liest

Wolfgang Hilbig und Siegfried Ressel 1994 in Potsdam
Foto: Matthias Marx

Hilbig. Eine Erinnerung

  Outtake aus „Hilbig. Eine Erinnerung“: Hosemann Ort der Gewitter Jürgen Hosemann ist der letzte Lektor zu Lebzeiten Wolfgang Hilbigs bei dessen Verlag S. Fischer gewesen, bzw. er ist es jetzt, über den Tod des Dichters hinaus, immer noch, da er die laufende Gesamtausgabe Hilbigs betreut. Jürgen Hosemann hat mein Filmprojekt über Wolfgang Hilbig mit großem Engagement unterstützt und es war selbstverständlich, ihn zu seiner Zusammenarbeit mit Wolfgang Hilbig zu befragen. Leider konnte dieses Interview aus Zeitgründen –die vorgeschriebene Länge des Films– nicht im Film „untergebracht“ werden. Hier also ein Teil des Interviews in dem Hosemann einen Ausschnitt aus seinem Essay über die letzte Begegnung Lektor–Schriftsteller liest.   Sendetermin: 27. August um 23:05 auf 3sat Die Preview findet am 21. August 2011 um 19:30 Uhr im Waschhaus Potsdam, Schiffbauergasse statt. Mit dabei sind das Filmteam, einige Protagonisten und Corinna Harfouch, die im Film wie auch dann „live“ im Waschhaus aus Texten von Wolfgang Hilbig lesen wird. Moderation Carsten Wist. Alle sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei und es gibt sommerliches Freibier! Gleichzeitig –ebenfalls als …

aus "Kongo Müller Eine deutsch-deutsche Geschichte" Gerd Heidemann, ehem. STERN Reporter,  Foto: Sebastian Hattop
(c) a +r film

Abgedreht, geschnitten, abgenommen und bald „versendet“

Zwei Filme sind innert eines halben Jahres fertig gestellt: „Kongo Müller Eine deutsch-deutsche Geschichte“ für ZDF/Arte und „Hilbig. Eine Erinnerung“ für ZDF/3sat. Zwei höchst unterschiedliche Personen im Portrait. Der eine ein Schurke der Weltgeschichte. Der andere ein wunderbarer Dichter. Den Kongo Müller sah ich als Kind heimlich durchs Schlüsselloch in „Der lachende Mann“ von Walter Heynowski und Gerhard Scheumann; er, Major Siegfried Müller, war das Schreckgespenst meiner DDR-Kindheit. Wolfgang Hilbig (1941-2007) wiederum ist für mich der DDR-Autor, welcher am eindrücklichsten und zugleich hoffnungslosesten die literarische Landschaft des Ostens beschreibt: hier ist kein Phantasieraum für Reformen, kein Glaube mehr an Systemverbesserung. Der Ist-Zustand einer geschundenen Gegend muß reichen als Poetikmaterial, und Hilbig schürfte in ihr wie kein zweiter. Jürgen Hosemann, Hilbigs letzter Lektor, resümiert im Interview für mich sehr treffend und sehr bewegend über Hilbig: „Sein Nachbild ist in meinen Augen immer noch unverändert stark, und das wird jeder bestätigen, der mit ihm Umgang hatte, es verblaßt irgendwie gar nicht, und vor allem sein Werk kommt mir ganz unzerstörbar vor. Obwohl so vieles, was er geschrieben …